Angebot anfordern
X
Spendenkonto
Look-Tierschutzverein Deutschland e.V.
Hamburger Volksbank eG
IBAN: DE86201900030007026005
BIC: GENODEF1HH2

Das Ende von Chinas Hundefleischhandel?


Das Ende von Chinas Hundefleischhandel?

Ist das wirklich das Ende von Chinas Hundefleischhandel?

Was ist das Yulin-Festival?

Jeden Sommer wird die Aufmerksamkeit von Hundeliebhabern auf der ganzen Welt auf China gelenkt, wo am 21. Juni in der Stadt Yulin ein 10-tägiges „Festival“ stattfindet, um den Verzehr von Hundefleisch zu feiern. Was stattfindet, ist überhaupt keine formelle Veranstaltung – das Festival hat keine lange Geschichte oder kulturelle Abstammung, sondern wurde erst vor einem Jahrzehnt von Händlern ins Leben gerufen, um das lokale Lebensmittelgeschäft zu fördern.

In diesem Jahr rückte Yulin jedoch eine unerwartete Entwicklung noch stärker ins Rampenlicht. Am 29. Mai gab Chinas Landwirtschaftsministerium offiziell bekannt, dass Hunde nicht mehr in eine neue Liste der erlaubten Nutztierarten aufgenommen würden, und erklärte, dass sie nicht länger als Nahrungstiere gelten sollten. Was bedeutet diese überraschende Nachricht? Würde das Yulin-Fest verboten? Ist der Hundefleischhandel wirklich am Ende?

Wie groß ist der Handel mit Hundefleisch?




Viele Leute sind neugierig, wie groß der Handel mit Hundefleisch ist. Es wird geschätzt, dass in China jedes Jahr mindestens zehn Millionen Hunde gegessen werden – aber es ist bei weitem nicht allgemein beliebt. Hundefleisch ist in bestimmten Teilen des Landes relativ verbreitet, insbesondere in den südlichsten Provinzen von Guangdong und der Autonomen Region Guangxi Zhuang (wo Yulin liegt). Auch im Nordosten Chinas gibt es Hundefleisch. Anderswo jedoch ist das Essen von Hundefleisch entweder praktisch nicht existent oder die Gewohnheit einer sehr kleinen Minderheit.

Obwohl es in den 80er Jahren Versuche gab, kommerzielle Hundefarmen (ähnlich denen in Korea) aufzubauen, blieben sie im Allgemeinen erfolglos. Es gibt zwar eine kleine Landwirtschaft, aber der Handel in China basiert hauptsächlich auf dem Diebstahl von Haustieren oder dem Fangen von verlorenen oder ausgesetzten Straßentieren.

Die Hunde werden dann oft weite Strecken per LKW transportiert, unter extrem beengten Bedingungen, wo sie allen Umwelteinflüssen offen ausgesetzt sind. Am Ende ihrer Reise werden sie mit dem unvorstellbar grausamsten Gemetzel konfrontiert, bei dem sie geschlagen oder erstochen und manchmal bei lebendigem Leib gehäutet werden.

China kehrt der Tierquälerei den Rücken




Was normalerweise zu wenig berichtet wird, ist, wie umstritten und spaltend das Thema “Hundefresser“ in China selbst ist. In den frühen Jahren des Yulin-Ereignisses wurde fast die gesamte Verurteilung von Stimmen aus dem Ausland gehört.

In den letzten Jahren hat das Festival jedoch oft eine hitzige Resonanz auf den riesigen Social-Media-Plattformen des Landes hervorgerufen, wobei auch in den offiziellen Medien starke Meinungen zum Ausdruck gebracht wurden. Die inländische Gegenreaktion gegen Yulin in den letzten drei Jahren war so bedeutend, dass sie von Social-Media-Seiten wie Weibo absichtlich zensiert wurde. Viele der LKWs, mit denen Hunde transportiert werden, wurden auch erfolgreich von lokalen Tierschutzgruppen abgefangen und die Tiere gerettet.

Yulin ist also nur ein kleiner Teil des Bildes. Deutlicher geworden ist - Jahr für Jahr -, dass der Zentralregierung in Peking der Hundefleischhandel im Allgemeinen und die damit verbundene internationale Kritik peinlich sind. Tierquälerei wird von vielen Chinesen zunehmend als Quelle der Schande und sogar als großer Makel für das Image des Landes angesehen.

Was hat die Behörden daran gehindert, Yulin oder Hundefleisch im Allgemeinen zu verbieten?




China hat derzeit keine Gesetzgebung zum Schutz von Tieren vor Missbrauch. Das bedeutet im Klartext, dass der Staat nicht eingreift, um die Menschen daran zu hindern, Tiere nach Belieben zu behandeln. Die einzigen Verbote gelten für das Töten oder den Verzehr von geschützten Wildtieren.

Die Tatsache, dass der Handel mit Hundefleisch weitergeführt wird, wird oft als Beweis dafür angeführt, dass sich für die Tiere dort nichts geändert hat, aber das stimmt bei weitem nicht, insbesondere was den Status von Hunden und ihre Wahrnehmung betrifft. Die Kontroverse um das Yulin-Festival hat tatsächlich eine entscheidende Rolle dabei gespielt, das “Anti-Grausamkeitsgesetz“ in Schwung zu bringen...

In China werden Hunde oft als Bedrohung für die Öffentlichkeit angesehen




Historisch gesehen gab es in Teilen Chinas Spannungen zwischen Hundebesitzern und anderen Einwohnern. Ein Teil dieses Konflikts beruht auf einer tief verwurzelten Ansicht, dass Hunde hauptsächlich ein Ärgernis und sogar eine Bedrohung für die Öffentlichkeit darstellen.

Diese negative Sicht auf Hunde reicht viele Jahrzehnte zurück. Die meisten Chinesen über 30 Jahre haben schon einmal das Töten von Hunden miterlebt, als die örtlichen Behörden Banden entsandten, um Hunde zu töten. Sie taten dies manchmal nach einem einzelnen Hundebiss, aber auch als Reaktion auf echte oder vermutete Tollwutfälle. Zu anderen Zeiten taten sie dies einfach, wenn sie das Gefühl hatten, dass die Streunerbevölkerung ein unerträgliches Ausmaß erreicht hatte. Diese Banden würden sicherlich jeden freilaufenden Hund auf der Straße ins Visier nehmen, aber in vielen Fällen töteten sie eigene Tiere, manchmal sogar, wenn sie angeleint, geimpft und mit ihren Besitzern waren.

Die Spannungen zwischen der Hundebesitzergemeinschaft und denen, die Hunde weiterhin als Bedrohung sehen sind immer noch vorhanden. Ein Teil dieses Missempfindens wurde von unvorsichtigen Hundebesitzern selbst geschürt, die möglicherweise nicht immer die nachbarschaftliche Rücksicht zeigen, die sie sollten. Es besteht sicherlich Bedarf an Aufklärung im Verhalten von Hunden und der Förderung einer verantwortungsvollen Haltung. Die aufgeklärteren Stadtverwaltungen sind bestrebt, diesen Konflikt zu reduzieren, und so werden die Bedürfnisse und Erwartungen einer steigenden Zahl von Hundebesitzern in der Stadt zunehmend berücksichtigt. In Stadtparks gibt es mittlerweile Bereiche, die für den Hundeauslauf reserviert sind, wobei die Besitzer aufgefordert werden, sich wie in vielen anderen Ländern zu registrieren und zu identifizieren.  

Hunde werden in China zunehmend als Haustiere akzeptiert




Der Haustierboom hat eine große Rolle bei der Veränderung der Haltung der chinesischen Gesellschaft gegenüber Tieren gespielt. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass sich der Hundebesitz etwa verfünffacht hat – von geschätzten zehn Millionen im Jahr 2001 auf heute mehr als 52 Millionen. Dies ist hauptsächlich auf das Wirtschaftswachstum zurückzuführen, da der Wohlstand den meisten Stadtchinesen mehr verfügbares Einkommen, Wohnraum und Freizeit verschafft hat.

Es gibt auch soziale Gründe. Chinas Ein-Kind-Politik (die von 1979 bis 2015 in Kraft war) brachte zwei Generationen von Einzelkindern hervor, und in vielen Fällen haben Eltern ihrem Kind möglicherweise einen Hund zur Gesellschaft und als Ersatz für Geschwister zur Verfügung gestellt.

Zur gleichen Zeit finden viele ältere Chinesen, die früher ihren Ruhestand bei der Familie eines Sohnes verbracht hätten ("drei Generationen unter einem Dach"), jetzt eine eigene Wohnung, oft in einiger Entfernung von Kinder.

Viele leben allein, mit weniger Betreuungspflichten für Enkelkinder. Infolgedessen finden sie eher Zeit für die Haltung von Haustieren und entwickeln ein Interesse daran.

Für viele Chinesen selbst scheint diese zunehmende Liebe zu Hunden natürlich völlig im Widerspruch zu der Grausamkeit zu stehen, die im Hundefleischhandel unkontrolliert vor sich geht.

Hunde gelten nicht mehr als Nutztiere




Dies bringt uns zu der plötzlichen Ankündigung der Regierung - dass Hunde nicht mehr als Nutztiere gelten.

Warum jetzt? Was bedeutet das für Hunde in China?

Einerseits hat die COVID-19-Pandemie das Bewusstsein der Behörden deutlich auf die Zusammenhänge zwischen der Art und Weise, wie wir Tiere konsumieren, und der menschlichen Gesundheit gelenkt. Gleichzeitig werden Veränderung des Status von Hunden beobachtet, die eine Änderung der Einstellung gegenüber Tieren im Allgemeinen bewirkt.

Im Februar reagierten die chinesischen Behörden auf die Pandemie mit einem vorübergehenden Verbot der Verwendung von Wildtieren als Nahrung. Viele Kommunalverwaltungen reagierten recht schnell, indem sie das Verbot in ihren Gebieten dauerhaft machten. Die Städte Shenzhen und Zhuhai in der Provinz Guangdong gingen noch einen Schritt weiter und schlossen neben ihren Wildtierverboten auch ein Verbot des Hundeessens ein.

Kurz darauf ging die Zentralregierung in Peking noch weiter, mit einem Schritt, der nationale Auswirkungen haben sollte. Das Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Angelegenheiten (MARA) startete eine öffentliche Konsultation zu Plänen für eine „Positivliste“ zugelassener Nutztierarten mit dem bemerkenswerten Vorschlag, Hunde ausdrücklich von der Liste auszuschließen.

Die Regierung erklärte ihre Argumentation in einem beispiellosen Eingeständnis:

Im Einklang mit dem Fortschritt der menschlichen Zivilisation und dem Interesse und dem Wunsch der Öffentlichkeit nach Tierschutz haben sich Hunde von einem traditionellen Nutztier zu einer „Spezialisierung“ als Begleittier entwickelt. Sie gelten international im Allgemeinen nicht als Nutztiere und es ist auch nicht angebracht, sie in China als Nutztiere zu halten.

Das bringt uns zurück zu unserer Hauptfrage: Ist das wirklich das Ende des Hundefleischhandels? Unsere Meinung: wahrscheinlich noch nicht ganz, aber seine Tage sind gezählt.

Es bleibt abzuwarten, was diese Verwandlung des Hundes (vom Haus- zum Haustier) vor Ort bedeuten wird. Theoretisch sollte es bedeuten, dass Hunde nicht als Futtertiere gehalten werden und Hundefleisch nicht kommerziell an die Öffentlichkeit verkauft werden darf.

Auch in den letzten Jahren gab es in China einige hitzige Online-Diskussionen, die den Widerspruch zwischen der neuen Ankündigung von MARA und der Tatsache hervorhoben, dass lokale Beamte keine offensichtlichen Schritte unternommen haben, das Festival zu verbieten.




Wie sich die Entscheidung der Regierung in Zukunft in die Tat umsetzen wird, ist nicht klar. Aber auch wenn das Hundeessen auf diskreter, kleiner und lokaler Ebene fortgesetzt wird, sendet die Entscheidung von MARA eine sehr klare Botschaft aus, die im ganzen Land durchsickern wird: Der Staat betrachtet Hunde nicht als Nahrungstiere. Dies ist eine revolutionäre Veränderung.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren


Lauf, Galgo, lauf!
Lauf, Galgo, lauf!

Lauf, Galgo, lauf! Dass Spanien sich in Sachen Tierschutz wahrlich nicht mit Ruhm bek...


zum Artikel
Rumänien - Das bestialische Millionengeschäft
Rumänien - Das bestialische Millionengeschäft

– und die EU schaut einfach nur zu! Der Beginn einer Hetzjagd Ende 2013 wurde ein vier...


zum Artikel
Portugal zeigt Menschlichkeit
Portugal zeigt Menschlichkeit

Das Einschläfern von Hunden in Portugal ist jetzt verboten! Die PAN (Partido pelos Anima...


zum Artikel
Nur ein dummes Schaf?
Nur ein dummes Schaf?

Nur ein dummes Schaf?Alte Bräuche längst überfällig! Schafe werden als dumm bezeichn...


zum Artikel

Spendenkonto

Look-Tierschutzverein Deutschland e.V.
Hamburger Volksbank eG
IBAN: DE86201900030007026005
BIC: GENODEF1HH2


Dein Spendenbetrag:

Newsletter

Mit unserem Newsletter möchten wir dich über aktuelle Themen, Wissenswertes aus dem Bereich Hund und Co., sowie über wichtige Ereignisse aus unserem Tierschutzverein informieren.

Anmeldung zum Newsletter

Kontakt

Look-Tierschutzverein Deutschland e.V.
Laukamp 17
D – 22417 Hamburg

Fax.: 08134 / 55 78 778

info@look-tierschutzverein.de